Was macht eigentlich ein Kundendienstmeister?

Zum reibungslosen Ablauf der Energieversorgung gehört neben der Lieferung von Strom das genaue Messen, Zählen und Abrechnen des Verbrauchs. Eine Arbeit, die Flexibilität erfordert, denn sie lässt sich weder vom Schreibtisch aus noch in immer gleichen Abläufen erledigen. 21 Kundendienstmitarbeiter sind deshalb im Netzgebiet unterwegs. Wie vielseitig ihre Arbeit ist, welche Berufe und Aufgaben sie haben und warum die Kolleginnen und Kollegen teilweise schon viele Jahre beim Netzbetreiber arbeiten, zeigt unsere Serie „Was macht eigentlich…?“

 von Charis Stank

Stromzähler und Messwandler einbauen, Geräte prüfen oder Daten per Fernübertragung auslesen. Bei Zahlungsrückständen muss auch mal der Strom abgestellt werden. Das ist ein Auszug aus den täglichen Herausforderungen eines Kundendienstmeisters der südbadischen ED Netze GmbH.

Die zunehmende Digitalisierung erleichtert viele Verfahren. Gleichzeitig jedoch ergeben sich aus der Energiewende neue Fragen, auf die im täglichen Kontakt mit Kundinnen und Kunden Antworten benötigt werden.

Elektromeister Matthias Friedrich betreut als Kundendienstmeister der ED Netze seit Juli 2022 einen der Einzugsbereiche.

Herr Friedrich, Sie sind einer von 21 aktiven Kundendienstmeistern bei der ED Netze GmbH. Das Gebiet umfasst eine Fläche von 3.773 Quadratkilometern mit rund 760.000 Einwohnern. Sie sind fast täglich darin unterwegs. Wie viele Kilometer haben Sie am Jahresende auf dem Tachometer?

In meinem Kundendienstgebiet komme ich auf rund 15.000 km pro Jahr. Weil ich meine Besuche eigenständig terminiere, kann ich die Routen gut planen.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Die gefahrenen Kilometer sind abhängig vom Betreuungsgebiet. Kundendienstmeister in der Stadt fahren teilweise nur 200 km pro Woche, da die Zählerdichte höher ist als im ländlichen Raum.

Bei mir sind es oft 400 bis 500 km, weil das Gebiet größer ist und die Anlagen weiter auseinanderliegen.

Was sind die Aufgaben eines Kundendienstmeisters?

 In erster Linie bin ich das Bindeglied zwischen Netzbetreiber und Kunden. Alle abrechnungsrelevanten Daten werden von unserem Team erfasst.

  • Wir projektieren, installieren und betreuen Tarif-, Sonderkunden- und Einspeisemessungen.
  • Uns obliegt die Verantwortung für den ordnungsgemäßen Betrieb der Zähleranlagen. Dazu zählt auch die Störungsbehebung.
  • Wir setzen Smart Metering, also das computergestützte Messen von Energieverbrauch um, überwachen Einspeisemanagement und Wirkleistungsreduzierung von erneuerbaren Energieanlagen.
  • Kundendienstmeister erheben alle relevanten Kunden- und Zähler-Gerätedaten.
  • Wir beraten Kunden, Installateure und Anlagenerrichter in messtechnischen und installationstechnischen Fragen (Technische Anschlussbedingungen/TAB, Niederspannungsanschlussverordnung/NAV, Installationsrichtlinien DIN/VDE)
  • Auch für die Bearbeitung umfangreicher Projekte im Bereich der Messtechnik, für Sonderprüfungen und Messsatz-Kontrollen vor Ort einschließlich Serviceaufträgen sind wir verantwortlich.
15.000 Kilometer pro Jahr fährt der Kundendienstmeister Matthias Friedrich von Kunde zu Kunde im Gebiet zischen Steinen, Schwörstadt und Wehr. (Foto: ED Netze GmbH)
15.000 Kilometer pro Jahr fährt der Kundendienstmeister Matthias Friedrich von Kunde zu Kunde im Gebiet zischen Steinen, Schwörstadt und Wehr. (Foto: ED Netze GmbH)

Das heißt, Sie sind beim Kunden für Zähler und Zählerstand zuständig? Mit Elektrikern vor Ort machen sie die Inbetriebnahme, wobei der Schrank und alle weiteren Installationen die Aufgabe eines Elektrofachbetriebes bleiben?

Genau. Zusätzlich betreuen wir noch weitere Einrichtungen im ED-Netze-Gebiet. Ich lese zum Beispiel auch die Sonderzähler der Straßenbeleuchtung, Pumpwerke und Ampeln aus, die eigene Stromzähler haben.

Wie wird man Kundendienstmeister? Was sind die Voraussetzungen und wie ist Ihr persönlicher Werdegang?

Die wichtigste Qualifikation ist ein Abschluss als Meister im Elektrohandwerk oder gleichwertig. Ich habe 1996/97 die Meisterschule in Vollzeit in Freiburg besucht und danach bis 2022 im Elektrohandwerk gearbeitet.

Gibt es Qualifikationen, die Sie im Laufe Ihrer Tätigkeit hinzugewonnen haben? Irgendetwas, das für Ihre Arbeit besonders hilfreich ist?

Weil ich vorher selbstständig war, fällt mir das Terminieren leicht. Ich bin es gewohnt, Kunden zu besuchen und mich selbst zu organisieren. Das ist wichtig, da wir in diesem Bereich auf uns gestellt sind und somit die Arbeitsabläufe effizient planen können. So bleiben Leerlaufzeiten so gering wie möglich.

Außerdem brauchte ich eine sogenannte AUS-Qualifikation (Arbeiten unter Spannung), denn in Ausnahmefällen kommt es vor, dass wir unter Spannung einen Zähler wechseln, oder Stromwandler sekundärseitig umschalten müssen.

Die erwirbt man wie?

In einer eineinhalb Tage dauernden Schulung mit Prüfung. Diese muss alle drei Jahre wiederholt werden. Außerdem brauchen wir eine aktuelle Erste Hilfe Ausbildung, welche bei uns auch regelmäßig durchgeführt wird.

Wie läuft ihr Tag ab? Gibt es am Morgen eine Teambesprechung oder plant jeder seine Tour?

Wir sind eigenständig im Netzgebiet unterwegs, tauschen uns aber regelmäßig in Besprechungen aus. Einmal wöchentlich trifft sich das gesamte Team zu einer Sitzung. Dort werden mit allen Teammitgliedern Neuerungen, Änderungen oder auch Fachthemen besprochen. Ansonsten bleibt es bei Telefongesprächen und Teams-Besprechungen. Kollegen treffe ich selten.

Die Arbeitstage verlaufen sehr unterschiedlich. Mal liegt der erste Termin morgens um 8.00 Uhr, mal später. Ich vereinbare Termine gern telefonisch, weil es schneller geht.

Insgesamt sind wir in unseren Planungen sehr frei. Und nach einer Weile weiß man auch, wie lange ein Termin in etwa dauert.

Ob Inbetriebnahme, Störungsbehebung oder Smart Metering: Kundendienstmeister sind für den ordnungsgemäßen Betrieb der Zähleranlagen im Netzgebiet zuständig. (Foto: ED Netze GmbH)
Ob Inbetriebnahme, Störungsbehebung oder Smart Metering: Kundendienstmeister sind für den ordnungsgemäßen Betrieb der Zähleranlagen im Netzgebiet zuständig. (Foto: ED Netze GmbH)

Wie viele Kundenbesuche machen Sie an einem Tag und was sind Ihre Aufgaben vor Ort?

Die Anzahl der Kundenbesuche ist von der Auftragsart abhängig. Das erkenne ich im Vorfeld anhand der eingereichten Unterlagen. So weiß ich, ob es um die Inbetriebnahme eines Bezugszählers oder, aktuell zum Beispiel sehr häufig, um Photovoltaikanlagen geht. Ich prüfe vorweg, ob die angemeldete Anlage mit der fertig gemeldeten in Bezug auf die Daten übereinstimmt. Und natürlich wird vor Ort geprüft, ob alles korrekt verbaut ist und den aktuellen Normen und Regeln entspricht.

Bei komplexen Anlagen kann es sein, dass ich nur wenige Kunden am Tag schaffe. Wenn es gut läuft, sind auch mal zehn Kundenbesuche drin.

In der Regel bestehen meine Aufgaben vor Ort aus Neuinstallationen, Inbetriebnahme von Anlagen und Störungsmeldungen.

Was wir auch machen, sind Befundprüfungen, wenn ein Kunde bezweifelt, dass der Zähler richtig misst. Dann machen wir eine Überprüfung vor Ort. Im Zweifelsfall wird der Zähler ausgebaut und in einem verplombten Transportbehälter zur Überprüfung gebracht. Diese Befundprüfung findet meist in unserer staatlich anerkannten Prüfstelle EBW61 statt.

Wie funktioniert das Verplomben?

Es funktioniert wie bei unseren Zählern. Die sind auch alle mit einer Plombe gesichert. Das sind Kunststoffplomben mit unserem Logo drauf. Sie sind fortlaufend nummeriert.

Jeder von uns hat eine Prägezange entweder mit seinem Namenskürzel oder mit einer Nummer, die hinterlegt ist, so dass man sofort sieht, wer in der Anlage war und wer den Zähler verplombt hat.

Wie oft kommen Neukunden hinzu und gibt es vertraute Gesichter, die Sie schon kennen?

Durch die Energiewende kommen laufend neue Kunden hinzu. Weil viele Photovoltaik nachrüsten oder Zählerwechsel stattfinden.

Matthias Friedrich lernt viele neue Gesichter kennen - durch die Energiewende kommen laufend Neukunden hinzu. (Foto: ED Netze GmbH)
Matthias Friedrich lernt viele neue Gesichter kennen – durch die Energiewende kommen laufend Neukunden hinzu. (Foto: ED Netze GmbH)

Was sind die schönsten Seiten Ihres Berufes?

Ich mag die Freiheit, selbständig die Aufträge zu koordinieren, abzuarbeiten, die Arbeitszeit und den Tagesablauf frei zu gestalten. Auch der Kontakt mit den Anlagenerrichtern und Kunden vor Ort gefällt mir. Und das trotz der vielen Herausforderungen, die wir zur Zeit aufgrund der vielen Anlagenerweiterungen haben.

Das Schöne: Es ist immer abwechselnd. Jeder Kunde ist anders, jede örtliche Gegebenheit auch. Außerdem mag ich die Mischung aus Bürotätigkeit und Außendienst. Reine Büroarbeit wäre nichts für mich.

Über die Autorin: Charis Stank

Die Journalistin Charis Stank sammelte redaktionelle Erfahrungen beim Hamburger Magazin Stern und arbeitet als Texterin in der Tourismus-Branche. In ihrem Online-Magazin Schönste Zeit entführt sie ihre Leserinnen und Leser seit über zehn Jahren an die schönsten Orte der Alpen. Am ED-Netze-Blog reizt sie die Vielfalt der Themen und die Möglichkeit, sich mit Dingen zu beschäftigen, über die sie im normalen Alltag kaum nachdenkt.

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