Wie die Energiewende die Verteilnetze verändert – und was ED Netze für die Zukunft der Infrastruktur tut

Die Energiewende findet im Verteilnetz statt. Dieses gibt es als lokales, regionales und überregionales Verteilnetz auf drei Spannungsebenen: mit Nieder-, Mittel- und Hochspannung. Transformatoren und Umspannwerke regeln die Spannung zwischen den verschiedenen Ebenen. Und das Übertragungsnetz stellt eine Verbindung zwischen den Netzen in Deutschland und Europa dar. (Illustration: Adrian Sonnberger, trurnit GmbH)
Die Energiewende findet im Verteilnetz statt. Dieses gibt es als lokales, regionales und überregionales Verteilnetz auf drei Spannungsebenen: mit Nieder-, Mittel- und Hochspannung. Transformatoren und Umspannwerke regeln die Spannung zwischen den verschiedenen Ebenen. Und das Übertragungsnetz stellt eine Verbindung zwischen den Netzen in Deutschland und Europa dar. (Illustration: Adrian Sonnberger, trurnit GmbH)

Wer sich mit der Energiewende beschäftigt, weiß: Sonne- und Windkraftanlagen sind nur ein Teil des Ganzen. Um die Energie zu den Verbrauchern zu bringen, braucht es Stromnetze. Der Ausbau der Verteilnetze ist deshalb ein Herzstück der Energiewende. Immer mehr Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Ladesäulen für Elektroautos machen dem Netz aber zu schaffen. ED Netze investiert Millionen In die Infrastruktur. Eine smarte Lösung verspricht hierbei, eine besondere Vision Realität werden zu lassen.

Von Gerhard Berger

Ein Feierabend an einem kalten Wintertag irgendwann in der Zukunft: Pendler kommen nach Hause und schließen gleichzeitig ihre Elektroautos zum Laden an die heimische Wallbox an. Im Haus laufen die Wärmepumpen und ziehen weiteren Strom aus dem Netz. Früher am Tag hatten tausende neuer Photovoltaik (PV)-Anlagen ihre elektrische Energie in die andere Richtung geschickt: hinein in die Verteilnetze – die dafür ursprünglich gar nicht gebaut waren.

Zahl der PV-Anlagen wächst rasant

„Was sich hier wie Zukunftsmusik anhört, ist längst Realität“, sagt Andrea Rahn. „Seit der Energiekrise wächst die Zahl der PV-Anlagen rasant an“, weiß die Leiterin des Fachbereichs „Bau Ortsnetz Anschlusswesen“ bei ED Netze – einem Unternehmen der Energiedienst-Gruppe – und hat auch die entsprechenden Zahlen für das eigene Netzgebiet am Hochrhein, im südlichen Schwarzwald und auf der Baar parat: „Im ganzen Jahr 2022 hatten wir rund 3.000 PV-Anlagen auf allen Spannungsebenen ans Netz angeschlossen“, so Rahn. „Allein im ersten Quartal 2023 waren es schon 2.149. Und bis Jahresende rechnen wir mit 8.600 neuer Anlagen.“ Das müssen die Stromnetze erst mal verkraften.

Stromfluss – kreuz und quer

Denn ursprünglich waren die Netze gar nicht für die Aufnahme vieler kleiner Stromquellen konzipiert. „Die Verteilnetze sollten – wie der Name schon sagt – die Elektrizität aus den Kraftwerken hin zu den einzelnen Verbrauchern, zu den Häusern und Steckdosen, verteilen“, sagt Daniel Obermeier, Technischer Geschäftsführer der ED Netze und beschreibt das wie bei den Adern eines Blattes: vom Stängel bis in die letzten Spitzen.
„Die Energiewende hat hier vieles umgekehrt, der Strom fließt heute kreuz und quer“, so Obermeier. Immer mehr regenerativer Strom aus PV-, Wind-, Biogas-, Wasserkraft- sowie Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen flutet zu Spitzenzeiten in die Verteilnetze. Der zunehmend dezentralere Stromfluss könnte die heutige Infrastruktur allerdings überlasten. Obermeier: „Die Integration all dieser Energiequellen in ein stabiles Netzsystem ist entscheidend für die Energiewende.“

Luisa Wagener, Auszubildende zur Elektronikerin für Betriebstechnik bei der ED Netze GmbH, prüft gemeinsam mit Netzbetriebsmonteur Tim Kaufmann die Netzspannung in der Ortsnetzstation an der Nägelestraße in Rheinfelden-Herten. (Foto: Juri Junkow)
Luisa Wagener, Auszubildende zur Elektronikerin für Betriebstechnik bei der ED Netze GmbH, prüft gemeinsam mit Netzbetriebsmonteur Tim Kaufmann die Netzspannung in der Ortsnetzstation an der Nägelestraße in Rheinfelden-Herten. (Foto: Juri Junkow)

Investitionen für den Netzausbau in der Region

Der Umbau der Stromnetze ist eine Mammutaufgabe für die deutschen Netzbetreiber. Um die Versorgungssicherheit auch am Hochrhein und im Südschwarzwald sicherzustellen, hat ED Netze allein im Jahr 2022 zwei Drittel seiner Investitionen in den Netzausbau gesteckt. Konkret waren dies mehr als 50 von 75 Millionen Euro. „Die Modernisierung unserer Versorgungsnetze braucht Tempo und Investitionen“, sagt Jörg Reichert, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Energiedienst-Gruppe. „Als Pionier ist es uns wichtig, die Transformation in unserer Region voranzutreiben, und unser erfahrenes Netze-Team arbeitet mit Hochdruck daran. Um den Ausbau der Netze und damit die Energiewende insgesamt zu beschleunigen, stemmen wir unser Engagement zu über 90 Prozent mit eigenen Mitteln.“

Die Herausforderungen wachsen

Die ED Netze GmbH erneuert und erweitert seit Jahren das Nieder- und Mittelspannungsnetz und ermöglicht so die Einspeisung erneuerbarer Energien für eine erfolgreiche Energiewende. Dazu kamen und kommen Investitionen in Umspannwerke wie aktuell in Löffingen und Beuren. „Und die Stromlast in den Netzen wird weiter zunehmen“, weiß die Expertin für Netzausbau bei ED Netze, Andrea Rahn. Sechs Millionen Wärmepumpen sollen nach den Plänen der Bundesregierung bis 2030 in Deutschland verbaut sein und 15 Millionen Elektroautos im selben Jahr über die Straßen rollen. Gleichzeitig werden neue Solaranlagen Dutzende Gigawatt zusätzlich einspeisen. Viele davon ins lokale Verteilnetz.

Digitalisierung – für eine Vision

Neben dem physischen Ausbau von Leitungen und Umspannwerken wird die Digitalisierung für den modernen Netzbetrieb ausschlaggebend sein. „Intelligente Technik kann Stromverbrauch und Stromproduktion in Echtzeit messen und mit den Netzen synchronisieren“, sagt der Technische Geschäftsführer der ED Netze, Daniel Obermeier. Dazu dienen digitale Ortsnetzstationen, die neben ihrer Hauptfunktion – der Umwandlung von Strom der Mittelspannungsebene in haushaltsübliche Niederspannung – auch Livedaten aus dem Netz gewinnen können. Intelligente Stromzähler in den Häusern, sogenannte Smart Meter, sollen helfen, Produktions- und Verbrauchsspitzen auszugleichen. Die Vision dabei: Waschmaschinen könnten automatisch starten, wenn die Mittagssonne auf die Solardächer brennt. Und E-Autos Strom zurück ins Netz speisen, wenn kein Wind weht, wofür ihre Besitzer mit Geld belohnt werden. Um diese Vision umzusetzen, wird ED Netze weiter in die Energiewende investieren: mit Know-how, innovativen Lösungen und finanziellen Mitteln.

Foto: trurnit GmbH
Foto: trurnit GmbH

Über den Autor: Gerhard Berger

Gerhard Berger ist Leitender Redakteur und Berater bei der Unternehmensgruppe trurnit, dem deutschen Marktführer für Energiekommunikation. Dort koordiniert er als Chef vom Dienst Beiträge zu Themen aus allen Energiefeldern – von der Erzeugung bis zu Energiespartipps zuhause. Bei Energiedienst leitet er die Umsetzung des Privatkundenmagazins NaturKunde und ist Autor für den Kommunal-Newsletter KOMMpakt. An seinen Aufgaben reizt ihn besonders, komplexe Energiethemen allgemeinverständlich aufzubereiten.

4 Kommentare

  1. Ab wann ist es möglich das E-Auto auch als zwischen Speicher für den Energieverbrauch in eigenem Wohnhaus mitzunehmen?

    • Hallo Herr Schulz, vielen Dank für die Frage. Leider haben wir darauf auch keine definitive Antwort. Theoretisch wäre es schon möglich – sofern das E-Auto bidirektionales Laden unterstützt und auch die Ladeinfrastruktur über die benötigte Technologie verfügt. Da diese Technologien derzeit noch sehr kostenintensiv sind, wird die Ausrollung davon abhängig sein, wie sich Fördermodelle der Regierung entwickeln. Alle wichtigen Informationen zu diesem Thema finden Sie in diesem ADAC-Artikel: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/info/bidirektionales-laden/
      Viele Grüße, Ihr ED-Netze-Team

    • Hallo Herr Herweg,
      wenn es dadurch notwendig wird, dass die Netzinfrastruktur erneuert oder ausgebaut werden muss, dann wirkt sich das auf die Netzentgelte aus.
      Viele Grüße, Ihr ED-Netze-Team

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