Beim Paketversand ist die „letzte Meile“ oft die größte Herausforderung. Strom muss sich nicht durch den Stadtverkehr quälen. Zwar liegen zwischen der Ortsnetzstation und Ihrer Steckdose etliche Meter Kabel. Dafür ist der Netzanschluss klar geregelt. In diesem Beitrag öffnen wir den Deckel Ihres Hausanschlusskastens und erklären, wie der Strom zuverlässig in Ihr Zuhause gelangt.
Von Patrick Torma
Der Paketzusteller klingelt, das Paket kommt sichtbar durch die Haustür. Elektrizität hingegen ist scheinbar immer Zuhause. Wir drücken den Schalter, und das Licht ist sofort da. Dabei muss auch Strom ins Haus gebracht werden. Über welchen Weg passiert das eigentlich – und wer ist für welches Teilstück zuständig?
Strom fließt über mehrere Spannungsebenen hinweg durch ein weit verzweigtes Leitungsnetz. Seine letzte Etappe – vom öffentlichen Netz bis zur Steckdose – verläuft in der sogenannten Niederspannung*. Sie beginnt in den Ortsnetzstationen, jenen grauen, grünen oder vielerorts bunt gestalteten „Stromhäuschen“ am Straßenrand. Dort wird die auf Transportniveau hochtransformierte Energie auf haushaltstaugliche 230/400 Volt heruntergeregelt.
*Wie das gesamte deutsche Stromnetz aufgebaut ist, erklären wir in diesem Beitrag.
Diese Stationen sind das sichtbarste Merkmal der „letzten Strommeile“. Von hier führt der Weg meist unterirdisch: Über ein Erdkabel gelangt der Strom durch die Kellerwand oder den Boden in das Gebäude. Für die sogenannte Hauseinführung gelten klare technische Vorgaben. In ländlichen Regionen sieht man noch Häuser, die über Freileitungen versorgt werden. Doch wo immer möglich, setzen Verteilnetzbetreiber auf die sichere und wartungsarme Erdverkabelung.
Leitung oder Kabel – wo liegt der Unterschied?
Leitung ist ein Sammelbegriff für eine stromführende Verbindung – also einen oder mehrere Leiter, über die Strom transportiert wird. Am auffälligsten sind Leitungen, wenn man in ländlichen Gebieten oder am Stadtrand in die Höhe blickt: Dort verlaufen Freileitungen aus Aluminiumleiterseilen, die offen an Masten hängen.
In Städten verlaufen Stromwege dagegen meist unterirdisch. Hier kommen Kabel zum Einsatz: Mehrere Leiter werden von einer Isolation und einer schützenden Ummantelung umgeben, damit sie Feuchtigkeit, mechanischen Belastungen und elektrischen Störungen standhalten.
Da Erdkabel nicht endlos lang geliefert werden, müssen einzelne Abschnitte verbunden werden. Hier kommt die Muffe ins Spiel. Diese abgedichtete Hülse schützt die Verbindungsstelle vor Nässe, Schmutz und Druck.
Kurz gesagt: Ein Kabel enthält immer Leitungen, aber nicht jede Leitung ist ein Kabel. (Frei-)Leitungen übertragen den Strom meist offen in der Luft, ein Kabel tut dasselbe geschützt unter der Erde oder in Gebäuden.
Sobald das Erdkabel, in diesem Fall die Anschlussleitung, ins Haus gelangt, mündet es im Hausanschlusskasten (HAK). Dieser findet sich meistens im Keller. In größeren Gebäuden genießt er die Privatsphäre eines eigenen Hausanschlussraumes. Äußerlich sieht dieser graue Kasten unspektakulär aus, dafür übernimmt er in seinem Inneren wichtige Funktionen.
Im HAK sitzen die Hauptsicherungen, sie schützen die Hausinstallation und das öffentliche Netz vor Kurzschlüssen. Von hier aus führen Leitungen zum Zählerschrank, ggf. zu Unterverteilungen und schließlich zu den Steckdosen. Technisch bildet der HAK die „Nahtstelle“ zwischen dem öffentlichen Stromnetz und der Hausanlage. Verteilnetzbetreiber sprechen vom Netzverknüpfungspunkt (kurz: NVP).
An dieser Übergabestelle trennen sich auch die Zuständigkeiten. Der Verteilnetzbetreiber betreibt, wartet und verantwortet den Netzanschluss bis einschließlich der Einbauten im HAK.
Alle Elektroinstallationen, die dahinter liegen, fallen in die Zuständigkeit des Anschlussnehmers – das ist in der Regel der Grundstückseigentümer, der den Anschluss beantragt und betreibt. Sollte etwas mit der Hauselektrik sein, muss er eine Elektrofachfirma beauftragen, um eventuelle Schäden zu beheben. Liegt der Fehler auf der anderen Seite, ist der Verteilnetzbetreiber am Zug. Anschlussnutzer ist hingegen, wer den Strom tatsächlich verbraucht.
Das kann der Anschlussnehmer sein, muss es aber nicht. In einem Mietshaus etwa ist der Vermieter Anschlussnehmer, die Mieterinnen und Mieter sind die Anschlussnutzer. Weil die Zuständigkeiten klar geregelt sind, verläuft auch der Netzanschluss in festgelegten Schritten. Das ist wichtig, wenn Sie etwa ein Haus bauen. In dem Fall werden Sie früher oder später zum Anschlussnehmer.
Wie dieser Prozess bei naturenergie netze aussieht, erklären wir in einem kompakten FAQ:
So funktioniert der Netzanschluss bei naturenergie netze
Wie melde ich einen Netzanschluss an?
Sie melden Ihren Anschluss über das Beginnen Sie ruhig frühzeitig, aber warten Sie, bis Grundriss und Leistungsbedarf feststehen. Ihre Baufirma oder Elektrofachkraft unterstützt Sie bei der Anmeldung. Bei Fragen, etwa zur Lage bestehender Leitungen, stehen Ihnen Ansprechpartner bei naturenergie netze gern zur Verfügung
Welche Unterlagen muss ich für den Antrag einreichen?
Für den Neubau eines Netzanschlusses benötigt naturenergie netze mindestens
- die exakte Adresse,
- den Lageplan des Grundstücks,
- einen Grundriss des Keller-/Versorgungsraums,
- den geplanten Anschlusswert sowie Angaben zu meldepflichtigen Geräten (PVAnlage, Wärmepumpe),
- Anzahl der Wohneinheiten (bei Mehrfamilienhäusern).
Wie läuft der Prozess ab?
Nach Eingang Ihres Antrags prüft naturenergie netze, ob die gewünschte Anschlussleistung ins vorhandene Netz passt. Sie erhalten ein Angebot, das sämtliche Leistungen des Netzanschlusses erfasst. Stimmen Sie zu, beauftragen Sie den Anschluss im Portal und vereinbaren einen Ausführungstermin.
Wichtig: Für den Anschluss wird ein Versorgungsgraben benötigt. Sie können für einen reibungslosen Ablauf sorgen, indem Sie eine Baufirma beauftragen oder die Grabungsarbeiten in Eigenregie durchführen. Alternativ geben Sie diese Arbeiten bei naturenergie netze in Auftrag. Das erfordert zusätzlichen Vorlauf.
Nach Abschluss aller Arbeiten erhalten Sie die Rechnung. Ist sie bezahlt, setzt Ihr Elektroinstallateur gemeinsam mit naturenergie netze den Zähler. Der Anschluss wird freigeschaltet, Strom steht ab sofort zur Verfügung.
Wie lange dauert der eigentliche Anschluss?
Die Montage erfolgt innerhalb eines Tages – vorausgesetzt, dass alle Vorbereitungen getroffen sind.
Was passiert, wenn mein Leistungsbedarf später steigt?
Übersteigt die gewünschte Leistung die Dimensionierung des bestehenden Anschlusses, erstellt naturenergie netze ein Angebot für einen verstärkten oder neuen Netzanschluss.
Wer ist Ansprechpartner bei größeren Vorhaben wie bei der Erschließung von Baugebieten?
Hier stehen Baukoordinatoren mit Rat und Tat zur Seite. Wer für welche Postleitzahl im Verteilnetzgebiet von naturenergie netze zuständig ist, können Sie auf dieser Seite herausfinden.
Nähere Informationen zu diesen und anderen Abläufen finden Sie in einem Leitfaden von naturenergie netze.
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So schließt sich der Stromkreis: Klar definierte Zuständigkeiten sorgen dafür, dass der Strom zuverlässig von der Ortsnetzstation bis in Ihre Steckdose gelangt. Im Versorgungsgebiet von naturenergie netze betrifft das rund 300.000 Netzanschlüsse.
Weitere spannende Themen rund um den Netzanschluss finden Sie auf dieser Seite.
Über den Autor: Patrick Torma

Als freier Journalist und Texter spürt Patrick Torma spannenden Geschichten nach – und bringt sie für Leser auf den Punkt. Zu seinen Auftraggebern zählen Medien und Redaktionsbüros, aber auch Unternehmen, die ihrer Zielgruppe einen Mehrwert bieten. Technische und historische Themen begeistern ihn besonders. Da trifft es sich gut, dass die (Strom-)Netzgeschichten im naturenergie netze Blog beides vereinen.
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