Auf der eigentlichen Baustelle sind Felix Ebner und Mathias Wilde unsichtbar. Und doch: Wenn dort alles reibungslos läuft, dann haben die beiden alles richtig gemacht. Denn jede Baumaßnahme beginnt mit einem Plan, der Aufwand und Kosten in den Blick nimmt. Beim südbadischen Verteilnetzbetreiber ist das ein Fall für die Projektkalkulation. Worauf es bei ihrer Arbeit ankommt, erzählen sie im Gespräch.
Von Patrick Torma
Rund 94 Millionen Euro investiert naturenergie netze jährlich in den Ausbau der Stromnetze in der Region. Hinter dieser Summe steht eine Vielzahl von Maßnahmen – vom kleinen Hausanschluss über die Verstärkung bestehender Ortsnetze bis hin zur kompletten Erschließung neuer Gebiete.
Doch bevor die Bagger anrollen, nimmt ein Team aus elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jede noch so kleine Feinheit unter die Lupe. So groß ist die Abteilung „Projekt + Kalkulation“. Felix Ebner (31) und Mathias Wilde (38) bilden gemeinsam mit ihrem Kollegen Wolfgang Gerspach das Team Hochrhein. Wie ihre Arbeit genau aussieht, weshalb sie große Verantwortung birgt und warum sie gerade deshalb so reizvoll ist, erklären die beiden im Interview.
Angenommen, wir träfen uns auf einer Party. Wie würdet ihr mir in zwei Sätzen erklären, was ein Projektkalkulator bei naturenergie netze macht?
Felix Ebner: In nur zwei Sätzen? (lacht, überlegt danach kurz). Als Verteilnetzbetreiber baut naturenergie netze das Stromnetz in der Region aus. Aus welchem Grund auch immer gebaut wird; unser Team erstellt einen Projektplan, mit dem unsere ausführenden Baukoordinatoren die Auftragsarbeiten an Tiefbauunternehmen, Vermessungs- und Ingenieurbüros oder auch an interne Abteilungen wie den Einkauf oder die Montage vergeben können.

Mathias Wilde: Im Grunde erhalten wir von den Kollegen eine Grobplanung, die wir in eine Feinplanung übersetzen. Aber um zu erklären, was das alles beinhaltet, bräuchten wir schon mehr als zwei Sätze (lacht).
Die Zeit nehmen wir uns. Was sind typische Beispiele für Projekte, mit denen ihr euch beschäftigt?
Felix Ebner: Typisch wären etwa sogenannte ‚Sonderanschlüsse‘: Jemand baut ein Gebäude und benötigt einen Hausanschluss, der nicht dem Standard entspricht. Weil der Kunde zum Beispiel eine sehr hohe Leistung benötigt. Oder weil die Leitung eine Straße, Eisenbahngleise oder ein Gewässer kreuzt. Hier planen wir die Leitung bis ins Gebäude und erstellen dem Kunden ein Angebot.
Zudem haben wir es häufig mit Netzumbauten zu tun, wenn das Netz nachverdichtet, also verstärkt werden muss. Ein Grund könnte sein, dass die Zahl der PV-Anlagen oder Stromtankstellen für die Elektroautos in einem Ort stark ansteigt. Eine neue Trafostation macht neue Kabel erforderlich, Freileitungen werden in die Erde verlegt, alte Kabel werden durch neue ausgetauscht – das sind typische Maßnahmen, die man sich vorstellen kann.
Mathias Wilde: Wobei: So richtig typisch gibt es bei uns eigentlich nicht. Im Wesentlichen kümmern wir uns um Hausanschlüsse, Neubaugebiete, Koordinierungsanfragen (z.B. Mitverlegung im Zuge von Breitbandausbau, Anm. d. Red.) und Netzverstärkungen. Diese Projekte müssen alle geplant werden. Aber, wie gesagt: Jedes Projekt ist anders.

Könnt ihr das anhand eines Beispiels veranschaulichen?
Mathias Wilde: Aktuell beschäftigt uns im Bereich Hochrhein ein Areal, auf dem später ein neues Kreiskrankenhaus, Ärztehäuser und Parkhäuser entsteht. Da wird unheimlich viel Leistung benötigt. Doch bislang ist in der Gegend überhaupt kein Stromnetz vorhanden. Da müssen wir eine komplett neue Infrastruktur planen.
An welchem Punkt kommt ihr ins Spiel?
Felix Ebner: Nach der Netzberechnung. Die Kollegen analysieren, ob vorhandene Betriebsmittel, wie Kabel, Leitungen oder Trafostationen, ausreichend sind. Wenn nicht, zeichnen sie auf einer Karte ein, was es braucht, um das Netz vor Ort zu verstärken oder zu erschließen. Wir kennen dann alle wichtigen Eckdaten: Welchen Kabelquerschnitt braucht es, um die zu erwartenden Stromlasten zu ‚tragen‘? Wo liegt die Trafostation, also die Mittelspannung, von der wir die Leistung herholen sollen? Wie sollen Kabel in etwa verlaufen …
… die angesprochene Grobplanung, die ihr dann verfeinert …
Mathias Wilde: Genau. Wir gleichen diese Vorplanung mit unseren technischen Mitteln und Geodaten ab. Dabei schauen wir uns auch Zustand und Alter der jetzigen Infrastruktur an, um zu entscheiden, ob gegebenenfalls etwas erneuert werden muss. Auf dieser Grundlage erstellen wir mit einer CAD-Software dann den Projektplan mit allen Details.
Wenn irgendwas unklar ist, schaut sich der Baukoordinator die Gegebenheiten an. Er ist unser Auge vor Ort. Vielleicht bewegen wir uns auch in einem geschützten Lebensraum, in einem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet oder einem Biotop etwa. Dann benötigen wir eine biologische Baubegleitung. Denn wenn wir dort graben wollen, müssen wir besondere Umweltauflagen erfüllen. All das müssen wir im Vorfeld klären und planen.
Beim Stichwort ‚Kalkulation‘ denke ich automatisch an Zahlen. Klärt ihr auch, was das Ganze kostet?
Felix Ebner: Ja. Wenn das Projekt so weit steht, dass es technisch umgesetzt werden kann, ermitteln wir auch das Budget. Gemessen am Aufwand nimmt die finanzielle Kalkulation jedoch den kleineren Part ein.
Das klingt dennoch nach großer Verantwortung.
Felix Ebner: Es wäre ärgerlich und auch teuer, wenn wir später noch einmal eine Straße aufreißen müssten, nur weil wir in der Frühphase irgendetwas nicht bedacht haben.
Mathias Wilde: Wir tragen in der Tat eine Verantwortung, auch gegenüber unseren Kollegen. Schließlich möchten wir nicht, dass das Projekt unseren Baukoordinatoren vor Ort auf die Füße fällt. Das ist immer das unangenehmste Gespräch, wenn man auf Kunden zugehen und ihnen erklären muss, warum sich eine Maßnahme verzögert – besonders ohne nachvollziehbaren Grund.
Übrigens: Wie die Arbeit auf der ausführenden Seite aussieht, davon berichtet Baukoordinator Jürgen Birkenberger in diesem Interview.
Wie viele Projekte plant ihr im Jahr?
Mathias Wilde: (überschlägt kurz) Im vergangenen Jahr hatte ich rund 50 Projekte auf dem Tisch. Zahlenmäßig ist das eher wenig. Tendenziell waren es aber größere Projekte.
Felix Ebner: Im gesamten Team bearbeiten wir zwischen 800 und 1.000 Projekte im Jahr.
Gibt es etwas, worauf ihr weniger Einfluss habt?
Mathias Wilde: Wir können leider nicht in den Boden schauen. Der kann beispielsweise mit Schadstoffen belastet sein. Oder es können Findlinge (sehr große Steine, Anm. d. Red.) drin sein. Immerhin: Dann können wir zumindest die Verzögerung nachvollziehbar begründen.
Ist euer Beruf in den vergangenen Jahren anspruchsvoller geworden?
Felix Ebner: (überlegt) Ich denke schon. Dazu muss ich sagen, dass es unsere Abteilung in dieser Form noch nicht allzu lange gibt. Vorher haben die Baukoordinatoren die Kalkulation mitgemacht. Auch um ihnen den Rücken für die Bautätigkeiten freizuhalten, wurde unsere Abteilung ins Leben gerufen. Das spricht letztlich dafür, dass alles etwas anspruchsvoller geworden ist. (wendet sich direkt an seinen Kollegen) Mathias, du kennst auch die Perspektive eines Projektbetreuers vor Ort. Wie siehst du das?
Mathias Wilde: Im Gegensatz zu früher ist die Abstimmung komplexer geworden. Gerade Umweltfaktoren spielen eine wichtigere Rolle, wodurch sich neue Vorgaben ergeben. Auch gibt es mittlerweile mehr Akteure, die in Prozesse eingebunden sind.

Kommunikativ sollte ein Projektkalkulator also schon sein …
Felix Ebner: Wir arbeiten zwar hauptsächlich im Büro. Aber ganz sicher nicht im stillen Kämmerlein (lacht). Gespräche mit Ingenieurbüros, Gemeinden, Bauträgern und Behörden sowie der Austausch mit unseren Baukoordinatoren und den Betriebsstützpunkten – all das ist Grundbestandteil unserer Arbeit.
Welche Skills sollte ein Projektkalkulator sonst mitbringen?
Felix Ebner: Fachlich sind technisches und kaufmännisches Verständnis wichtig. Auch räumliches Vorstellungsvermögen hilft, wenn man Trassen plant.
Mathias Wilde: Man muss aber auch sagen: Das, was wir machen, ist kein klassischer Lernberuf. Ein Kalkulator wächst mit seinen Erfahrungen, mit seinen Projekten.
Felix Ebner: Stimmt. Zumal die Themen, mit denen sich ein Verteilnetzbetreiber beschäftigt, sehr speziell sind.
Gibt es ein Projekt, auf das ihr besonders stolz seid? Oder das euch nachhaltig in Erinnerung geblieben ist?
Mathias Wilde: Es gibt schon das eine oder andere Großprojekt, bei dem ich sagen würde: ‚Cool, dass ich in der Planung involviert war.‘ Aber so spontan? Da denke ich immer zunächst an die Projekte, die ich zuletzt geplant habe – oder die mich momentan beschäftigen.
Felix Ebner: Mir geht es ähnlich. Was aktuelle Projekte betrifft, halte ich den Ball flach. Denn da muss sich meine Planung ja noch beweisen (schmunzelt). Aber ganz grundsätzlich: Als Projektkalkulator begleitet man den Wandel mit. Ich denke da an die großen PV- und Windparks, für die wir unser Netz an der einen oder anderen Stelle verstärken müssen.
Abschließend: Was macht den Reiz eures Jobs aus?
Felix Ebner: Es ist ein abwechslungsreicher Job. Ein Job, an dem man definitiv wächst. Ich hätte vor ein paar Jahren nie gedacht, dass ich mal genau das mache und genau diese Skills brauche.
Mathias Wilde: Mich reizt vor allem die planerische Seite. Meine Projekte sind sehr umfangreich und beschäftigen mich intensiv. Und wenn ich die vorherige Frage noch einmal bedenke: Wenn man in der Region lebt und später sieht, was man geplant hat und wie es umgesetzt wurde, dann macht einen das schon stolz.
Der Weg in die Projektkalkulation
Felix Ebner und Matthias Wilde zeigen: Der Weg in die Projektkalkulation ist individuell. Was sie eint: Beide bringen Erfahrungen aus anderen Unternehmensbereichen mit.
Felix Ebner ist seit 11 Jahren für das Unternehmen tätig. Angefangen hat der ausgebildete Industriekaufmann im Kundenservice. 2021 erfolgte der Wechsel in die Projektkalkulation, die seinerzeit von der aktiven Baustellenbetreuung getrennt wurde. „Grundvoraussetzung war, dass ich eine Fortbildung für den technischen Background mache, und zwar den technischen Fachwirt“, erklärt Ebner.
Diesen technischen Hintergrund brachte Mathias Wilde von vornherein mit. Der 38-Jährige ist gelernter Elektroniker für Gebäude- und Energietechnik, bildete sich anschließend im Bereich Automatisierung und Mechatronik fort. 2019 stieß er zu naturenergie netze, wo er als Projektbetreuer anfing. Er kennt demnach die „Außenperspektive“ der Baustellenkoordinierung aus erster Hand.
Über den Autor: Patrick Torma

Als freier Journalist und Texter spürt Patrick Torma spannenden Geschichten nach – und bringt sie für Leser auf den Punkt. Zu seinen Auftraggebern zählen Medien und Redaktionsbüros, aber auch Unternehmen, die ihrer Zielgruppe einen Mehrwert bieten. Technische und historische Themen begeistern ihn besonders. Da trifft es sich gut, dass die (Strom-)Netzgeschichten im naturenergie netze Blog beides vereinen.
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wir beraten Planer von Stromversorgungen zu e-auto laden in Tiefgaragen für viele Ladeplätze. wir vertreten die Meinung: Man muss dort nicht alle Autos, die viele Stunden stehen, mit 11 oder 22kw laden und dafür das Stromnetz auslegen. Wir bauen Schieflast-regler, die das scalierte Laden mit nur 2-3 kW, einphasig elauben. Denn in 8 Std. kann man so über 100km laden, denn mehr km färt ganz selten jemandn einem Tag.